Rohr SO, ein Kleinod des Kantons Solothurn

Das Bauerndörfchen Rohr liegt ziemlich versteckt am Jurasüdfuss, gleich oberhalb von Stüsslingen SO.
Die Bewohner - darunter einige Pendler - schätzen die ruhige ländliche Umgebung, aber auch die Nähe zu den Städten Olten und Aarau.
Rohr, mit seinem verträumten Charme, ist eine Reise wert! Unter Kennern ist Rohr schon längst bekannt für seine Sehenswürdigkeiten - wie die schöne St. Ulrichs Kapelle, das Strohhaus oder einfach die zauberhafte Natur. Wandern Sie über die Schafmatt - denn Rohr ist der Geheimtipp.


 

In einer Bergmulde, hinter Stüsslingen, liegt Rohr. Obwohl Rohr ein kleines Dorf ist, bietet es sehr viel an Kultur und Sehenswürdigkeiten; auch die Landwirtschaft und das Gewerbe hat hier einen hohen Stellenwert. Wahrlich, viele Einwohner kann Rohr nicht vorweisen - doch die, die dort leben, wissen die Einzigartigkeit, den Zauber der Natur, die hier gleich vor der Haustüre ist, sehr zu schätzen.

Von der Geschichte her ist zu berichten, dass Rohr bereits im 11. Jahrhundert - im Zusammenhang mit der Kapelle - erwähnt wurde. Auch soll Bruder Klaus bei seinen Wanderungen durch Rohr marschiert sein, das Kloster Einsiedeln soll zu seinem Gedenken dann die Kapelle erbaut haben.  

Geografische Lage

Rohr bei Olten ist ein kleines Jurabauerndorf im Nordosten des Kantons Solothurn. Das Dorf liegt 600 m über Meer, s-förmig angelegt in einem Quertal am Fusse der Schafmatt. Drei Wasserläufe, aus verschiedenen Richtungen kommend, vereinigen sich am Rohrer Dorfeingang zum Bach, der im Verlauf der Jahrhunderte dieses Quertal gebildet hat, indem er die Klusen Engi und Hütten durchbrach. Die Gegend war schon von den Allemannen und Römern vereinzelt bevölkert.

Gewohnt wurde in Sippen auf Einzelhöfen, in dem bewaldete Gebiete gerodet wurden.

Rohr liegt im Kettenjura in der Bergzone 1. Mit ca. 100 Einwohnern und einer Fläche von 360 Hektaren ist Rohr die kleinste Gemeinde im Bezirk Gösgen. Das Kantonsgebiet zwischen Olten und Aarau wird Niederamt genannt. Es setzt sich aus dem ehemaligen Werderamt südlich und dem Gösgeramt nördlich der Aare zusammen. Nördlich der Aare steigt das Niederamt über sonnige Felder und Wiesen sanft zum Jurafuss an. Wo es steiler wird wuchsen einst zwischen Lostorf uns Stüsslingen Reben. Die etwas abgelegene Gegend blieb lange Zeit fast reines Landwirschaftsgebiet.

Obwohl der Jura hier niedriger ist als im Westen des Kantons, bereitet er dem Verkehr doch relativ grosse Hindernisse. Die Dörfer Hauenstein-Ifental, Kienberg, Wisen und Rohr sind schwer zu erreichen und darum bis heute klein geblieben.

Das Strohdachhaus

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts zählte man im Kanton Solothurn noch mehr Stroh- als Schindel- und Ziegeldächer. Feuerpolizeiliche Masssnahmen sorgten aber dafür, dass die Strohdächer schnell abnahmen (Brandgefahr).

Heute steht in Rohr das letzte, völlig mit Stroh bedeckte Haus unseres Kantons. Wäre es 1962/63 nicht vollständig erneuert worden, gäbe es heute kein Strohdachhaus mehr im Kanton.

Das Haus zeigt uns, wie die Bauern im Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert bei uns gelebt haben: In der Mitte des Hauses befindet sich der Herd. Darüber wölbt sich die "Chömihurd" aus Haselrutengeflecht, das mit Lehm ausgestrichen wurde. Sie hielt die Funken auf; der Rauch stieg in den Dachstuhl und imprägnierte das Strohdach. Einen Kamin besitzen diese Häuser nicht.

Das hohe, vierseitige Dach wird von Hochstüden getragen. Die Firstpfette verbindet sie miteinander. Darüber hängen Rafen (unbehauene, entrindete Stämme), die auf den vier Wänden aufliegen. Auf diesen Rafen nagelte man die Dachlatten, welche die Schäubli (handgedroschene Sthohbündel) tragen. Diese wurden mit Ruten eingeflochten. Diese 20-30 cm dicke Schicht schützt gut gegen Kälte und Hitze.

Das unter Heimatschutz stehende Haus wird heute bewohnt.